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Für Unternehmen · 6 Min. Lesezeit

Ingenieure finden im Mittelstand: Wo die guten wirklich sind

Ingenieure finden im Mittelstand: was der VDI/IW-Ingenieurmonitor 2026 zeigt, wo Engpässe bleiben und eine Checkliste für Ihre nächste Ingenieurstelle.

Hüsnü Güley
Hüsnü Güley

Personalvermittler aus Wertingen · 5. November 2026

Ingenieure finden ist 2026 für den Mittelstand ein Paradox: Noch nie waren so viele Ingenieure und Informatiker arbeitslos gemeldet, und trotzdem kommen auf 100 Arbeitslose deutlich mehr offene Stellen. Wie schwer Ihre Suche wird, hängt stark von der Fachrichtung ab. Die guten Leute finden Sie selten über die Anzeige. Sie sind meist in Arbeit und müssen gezielt angesprochen werden.

In diesem Artikel zeige ich, was die aktuellen Zahlen sagen, welche Ingenieurprofile wirklich knapp sind und wie Sie als Mittelständler im Wettbewerb um diese Leute bestehen.

Die Lage 2026: Rekordarbeitslosigkeit und trotzdem Engpass

Der VDI/IW-Ingenieurmonitor zum dritten Quartal 2026 (Pressemitteilung vom 26.10.2026) beschreibt einen Arbeitsmarkt im Umbruch:

  • 105.340 offene Stellen in Ingenieur- und Informatikberufen, 5,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Davon entfallen 79.620 auf Ingenieurberufe.
  • 65.427 Arbeitslose in diesen Berufen, der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2011.
  • 161 offene Stellen je 100 Arbeitslose im Durchschnitt, nach 173 im Vorjahr. Der Engpass ist also kleiner geworden, aber nicht verschwunden.
  • Bayern liegt mit 18.600 offenen Stellen bundesweit vorn.

Auch die Bundesagentur für Arbeit sieht in ihrem Bericht zu den Akademikerberufen eine Entspannung. Sie weist für 2025 im Maschinenbau sowie in der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik keinen Fachkräfteengpass mehr aus. Engpässe sieht die BA vor allem in der Bauleitung und im Tiefbau sowie in der Gebäudetechnik und der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Beide Quellen messen unterschiedlich und beziehen sich auf verschiedene Zeiträume, die Zahlen lassen sich daher nicht direkt vergleichen. Die Richtung ist trotzdem dieselbe: Der Markt ist breiter geworden, aber nicht in jeder Fachrichtung.

Nicht jeder Ingenieur ist gleich knapp

Der Ingenieurmonitor schlüsselt die Engpässe nach Berufskategorien auf. Daraus lässt sich ableiten, wie Sie Ihre Suche anlegen sollten:

Fachrichtung Offene Stellen je 100 Arbeitslose (Q3 2026) Was das für Ihre Suche heißt
Bauingenieurwesen 318 Sehr eng. Ohne Direktansprache und Tempo kaum zu besetzen.
Energie- und Elektrotechnik 238 Eng. Gute Elektroingenieure wechseln selten über Anzeigen.
Maschinen- und Fahrzeugtechnik 174 Mehr Bewerber als früher, aber die passenden Spezialisten bleiben knapp.
Informatik 117 Vergleichsweise entspannt. Mehr dazu im Artikel IT-Fachkräfte finden.

Quelle der Zahlen: VDI/IW-Ingenieurmonitor Q3 2026.

Diese Durchschnittswerte verdecken einiges. Ein Konstrukteur mit Erfahrung im Sondermaschinenbau ist auch dann schwer zu finden, wenn die Kategorie „Maschinen- und Fahrzeugtechnik“ insgesamt entspannter wirkt. Und dass mehr Ingenieure arbeitslos gemeldet sind, liegt zu einem guten Teil am Stellenabbau in der Industrie. Die dort freigesetzten Profile passen nicht automatisch zu dem, was ein Mittelständler sucht.

Wo die guten Ingenieure wirklich sind

In meinen Gesprächen mit Geschäftsführern höre ich oft: „Auf unsere Anzeige melden sich nur Leute, die nicht passen.“ Das hat einen einfachen Grund. Wer gut ist und gerade nicht sucht, liest keine Stellenbörsen. Diese Menschen sind:

Bei Ihren Kunden, Lieferanten und Wettbewerbern

Ingenieure, die Ihre Produkte, Werkstoffe oder Anlagen schon kennen, arbeiten oft in derselben Lieferkette. Sie direkt anzusprechen ist erlaubt, solange Sie fair bleiben und niemanden zum Vertragsbruch verleiten.

In der Region, aber auf der Pendlerstrecke

Viele Ingenieure aus dem Landkreis Dillingen, dem Donau-Ries oder dem Raum Wertingen pendeln täglich nach Augsburg, Ulm, Ingolstadt oder München. Ein Arbeitsplatz zwanzig Minuten von zu Hause entfernt ist für sie ein echtes Argument. Sprechen Sie diese Menschen gezielt an und machen Sie die gesparte Pendelzeit sichtbar.

Im Umfeld von Hochschulen

Die Hochschulen in Augsburg, Neu-Ulm und Ulm bringen jedes Jahr Absolventen hervor. Praktika, Abschlussarbeiten und Werkstudentenstellen sind der günstigste Weg, junge Ingenieure kennenzulernen, bevor sie bei einem Großunternehmen unterschreiben.

In den eigenen Reihen

Ein erfahrener Techniker oder Meister, der berufsbegleitend studiert, kennt Ihren Betrieb bereits. Interne Entwicklung dauert länger, scheitert aber seltener am Gehalt oder an der Unternehmenskultur.

Unter den neu verfügbaren Fachleuten

Die gestiegene Arbeitslosigkeit ist auch eine Chance. Prüfen Sie Bewerbungen von Ingenieuren aus Branchen im Umbruch, etwa der Automobilzulieferung, nicht mit dem Filter „passt nicht exakt“, sondern mit der Frage, was in drei Monaten Einarbeitung machbar ist.

Was ein Mittelständler bieten kann

Gegen große Konzerne verlieren Mittelständler beim Gehalt oft. Ein Blick in den Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit oder in unseren Gehaltsatlas Bayern zeigt, wo Ihr Angebot für Beruf und Region steht. Liegen Sie deutlich darunter, brauchen Sie andere starke Argumente:

  • Verantwortung: Ein Projekt von der Idee bis zur Inbetriebnahme statt eines kleinen Ausschnitts davon.
  • Kurze Wege: Entscheidungen beim Geschäftsführer statt in drei Gremien.
  • Sichtbare Ergebnisse: Die eigene Maschine läuft beim Kunden, nicht irgendwo im Konzern.
  • Planbarkeit: Feste Arbeitszeiten, Gleitzeit oder einzelne Homeoffice-Tage in der Konstruktion.
  • Nähe: Kurzer Arbeitsweg, regionale Verwurzelung, Familienfreundlichkeit.

Diese Punkte wirken nur, wenn sie konkret in der Anzeige und im Gespräch stehen. „Flache Hierarchien“ liest jeder Ingenieur in jeder Anzeige.

Checkliste: So gehen Sie Ihre nächste Ingenieurstelle an

  • Fachrichtung klären: Bau, Elektro oder Maschinenbau? Jede Richtung hat einen anderen Markt.
  • Aufgaben gewichten: Konstruktion, Projektleitung, Vertrieb oder Fertigung? Drei Rollen in einer Person finden Sie kaum.
  • Muss und Kann trennen: Jedes unnötige Muss-Kriterium, etwa eine bestimmte CAD-Software, verkleinert den Markt.
  • Gehalt prüfen: Liegt Ihr Angebot im Rahmen des Entgeltatlas für Beruf und Region?
  • Vorteile benennen: Welche drei Argumente sprechen für Ihren Betrieb und nicht für einen Konzern?
  • Quereinstieg zulassen: Welche angrenzenden Branchen oder Profile kommen infrage?
  • Prozess straffen: Höchstens zwei Gespräche, Entscheidung innerhalb weniger Tage.
  • Kanäle kombinieren: Anzeige, Hochschulkontakte, Empfehlungen und Direktansprache parallel.

Wenn auf Ihre Anzeige trotz allem niemand reagiert, lohnt ein Blick auf den Text selbst. Typische Fehler stehen im Artikel Keine Bewerber auf Ihre Stellenanzeige?.

Wann sich ein Personalvermittler lohnt

Ein Personalvermittler lohnt sich bei Spezialistenprofilen, bei Projektleitern und überall dort, wo eine Ingenieurstelle schon Monate offen ist. Bei unserer Personalvermittlung für Ingenieure sprechen wir Kandidaten direkt an, die nicht aktiv suchen. Wir stellen Ihnen nur Profile vor, die fachlich und menschlich zu Ihrem Betrieb passen.

Unsere Konditionen: rein erfolgsbasiert, das Honorar wird erst nach dem Arbeitsantritt fällig, die Höhe besprechen wir im Erstgespräch. Endet das Arbeitsverhältnis in den ersten 3 Monaten, besetzen wir die Stelle kostenfrei nach.

Häufige Fragen

Gibt es 2026 noch einen Ingenieurmangel?

Ja, aber er ist kleiner geworden. Laut VDI/IW-Ingenieurmonitor kamen im dritten Quartal 2026 auf 100 Arbeitslose in Ingenieur- und Informatikberufen 161 offene Stellen, nach 173 im Vorjahr. Besonders knapp sind Bauingenieure und Elektroingenieure.

Warum melden sich trotz vieler arbeitsloser Ingenieure kaum passende Bewerber?

Weil Angebot und Nachfrage fachlich oft nicht zusammenpassen. Wer im Stellenabbau einer Branche freigesetzt wird, hat nicht automatisch das Profil, das ein Mittelständler sucht. Die gefragten Spezialisten sind meist in Arbeit und suchen nicht aktiv.

Welche Ingenieure sind am schwersten zu finden?

Laut Ingenieurmonitor Q3 2026 ist der Engpass im Bauingenieurwesen am größten, gefolgt von der Energie- und Elektrotechnik. Auch die BA sieht Engpässe vor allem in Bauleitung, Tiefbau und Gebäudetechnik.

Darf ich Ingenieure bei der Konkurrenz direkt ansprechen?

Grundsätzlich ja, eine sachliche Kontaktaufnahme ist zulässig. Unzulässig ist es etwa, zum Vertragsbruch zu verleiten oder Geschäftsgeheimnisse abzuwerben. Keine Rechtsberatung – im Einzelfall Fachanwalt fragen.

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