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Für Unternehmen · 6 Min. Lesezeit

IT-Fachkräfte finden: Ein Leitfaden für den Mittelstand

IT-Fachkräfte finden ohne Konzernbudget: was die aktuellen BA- und Bitkom-Zahlen zeigen, wo Mittelständler punkten und eine Checkliste für Ihre Suche.

Hüsnü Güley
Hüsnü Güley

Personalvermittler aus Wertingen · 2. November 2026

IT-Fachkräfte finden ist für den Mittelstand gerade leichter als vor zwei, drei Jahren – aber nicht leicht. Der Markt hat sich laut Bundesagentur für Arbeit spürbar entspannt, trotzdem dauert die Besetzung einer IT-Stelle laut Bitkom im Schnitt fast acht Monate. Wer jetzt Gehalt, Flexibilität und Tempo richtig einstellt, kann gegen größere Arbeitgeber gewinnen.

In diesem Artikel zeige ich, was die Zahlen wirklich sagen, wo die Hebel eines Mittelständlers liegen und wie Sie Ihre nächste IT-Stelle konkret angehen.

Die Lage 2026: Entspannung, aber keine Entwarnung

Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt in ihrem Arbeitsmarktbericht zur Berufsgruppe Informatik (Stand August 2026) eine deutliche Wende:

  • Engpässe in der Softwareentwicklung, die jahrelang ausgewiesen wurden, waren 2025 laut BA nicht mehr sichtbar. Besetzungsprobleme gibt es aber weiterhin bei einigen Spezialistenberufen.
  • Rund 54.000 IKT-Fachleute waren 2025 im Jahresdurchschnitt arbeitslos gemeldet – 27 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert der letzten zehn Jahre.
  • Die gemeldeten offenen Stellen lagen 2025 im Jahresdurchschnitt bei rund 13.000, dem geringsten Bestand seit 2015.

Gleichzeitig zeigt die Bitkom-Studie zum IT-Arbeitsmarkt (August 2025, 855 befragte Unternehmen) ein anderes Bild aus Sicht der Arbeitgeber: Rund 109.000 IT-Fachkräfte fehlen demnach – weniger als die 149.000 zwei Jahre zuvor, aber immer noch viele. Im Schnitt dauert es 7,7 Monate, eine IT-Stelle zu besetzen, und jedes vierte Unternehmen erhält auf IT-Stellen praktisch keine Bewerbungen.

Beide Aussagen passen zusammen. Es gibt mehr verfügbare IT-Leute als früher, aber nicht unbedingt mit dem Profil, das Sie suchen – und die guten Spezialisten wechseln weiterhin selten über eine Anzeige.

Warum der Mittelstand oft den Kürzeren zieht

Die Bitkom-Studie nennt auch die Gründe, an denen Besetzungen scheitern. Drei davon betreffen kleinere Arbeitgeber besonders:

  1. Gehalt: 56 Prozent der Unternehmen sagen, die Gehaltswünsche passen nicht in ihr Gehaltsgefüge. 63 Prozent finden, Gehaltsvorstellung und Qualifikation passen nicht zusammen.
  2. Flexibilität: 43 Prozent räumen ein, den Wunsch nach mobilem Arbeiten nicht zu erfüllen, 29 Prozent können flexible Arbeitszeiten nicht bieten.
  3. Umzug: 44 Prozent beklagen fehlende Umzugsbereitschaft der Bewerber.

Zur Einordnung beim Gehalt: Sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigte IT-Kräfte verdienten 2025 laut BA im Mittel 6.114 Euro brutto im Monat, im Westen 6.190 Euro. Für Tätigkeiten auf Hochschulniveau weist die Entgeltstatistik 6.501 Euro aus. Wer deutlich darunter anbietet, muss das mit anderen Argumenten ausgleichen – oder das Profil anders zuschneiden. Für Ihren konkreten Beruf und Landkreis lohnt ein Blick in den Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit.

In meinen Gesprächen mit Geschäftsführern höre ich oft die Sorge, beim Gehalt nicht mit großen Konzernen mithalten zu können. Das stimmt häufig. Aber viele IT-Leute wollen gar nicht in einen Konzern – sie wollen Verantwortung, kurze Wege und sichtbare Ergebnisse. Genau das kann ein Mittelständler bieten, wenn er es auch sagt.

Erst klären, wen Sie wirklich suchen

„Wir brauchen jemanden für die IT“ ist keine Stellenbeschreibung. Im Mittelstand verschwimmen Rollen oft, und genau das schreckt Bewerber ab. Die folgende Übersicht hilft beim Sortieren:

Rolle Typische Aufgaben im Mittelstand Wo Sie diese Leute eher finden
IT-Administrator / Systemadministrator Netzwerk, Server, Clients, Benutzer, Backup Systemhäuser, regionale Netzwerke, Fachinformatiker-Absolventen
IT-Support / First Level Anwenderbetreuung, Hardware, Tickets Ausbildung, Quereinsteiger, Empfehlungen
ERP-/SAP-Betreuer Anpassung und Betreuung des Warenwirtschafts- oder ERP-Systems Beratungshäuser, Anwenderunternehmen gleicher Branche
Softwareentwickler Eigene Tools, Schnittstellen, Produktsoftware Hochschulen, Entwickler-Communitys, Direktansprache
IT-Sicherheit Absicherung, Notfallpläne, Richtlinien fast nur Direktansprache, teils extern
IT-Leitung Strategie, Budget, Dienstleister, Team Direktansprache, Netzwerk, Executive Search

Wenn Sie eine Person für drei dieser Zeilen gleichzeitig suchen, haben Sie das Problem schon gefunden. Entweder teilen Sie die Rolle auf, oder Sie geben einen Teil an einen Dienstleister ab und suchen gezielt für den Rest.

Die Hebel, die ein Mittelständler hat

Quereinsteiger und Ausbildung ernst nehmen

IT-Jobs sind keine reine Akademikerdomäne. Laut Bitkom hatten nur 27 Prozent der in den letzten zwölf Monaten eingestellten IT-Kräfte einen einschlägigen Hochschulabschluss. 37 Prozent kamen mit einer dualen IT-Ausbildung, etwa als Fachinformatiker, und weitere 27 Prozent der IT-Jobs gingen an Quereinsteiger. Für Support- und Administrationsrollen ist ein lernbereiter Quereinsteiger mit Praxiserfahrung oft die bessere Wahl als die lange Suche nach dem perfekten Profil.

Flexibilität dort bieten, wo sie möglich ist

Nicht jede IT-Rolle kann vollständig remote arbeiten – wer Server im Haus betreut, muss vor Ort sein. Aber ein oder zwei feste Homeoffice-Tage, Gleitzeit oder ein planbarer Bereitschaftsdienst kosten oft wenig und entscheiden viel. Schreiben Sie konkret in die Anzeige, was geht.

Die Region als Argument nutzen

Für Arbeitgeber in Wertingen, Dillingen oder Donauwörth ist der kurze Arbeitsweg ein echter Vorteil gegenüber Pendelstrecken nach Augsburg oder München. Viele IT-Fachkräfte wohnen in der Region und arbeiten woanders. Sprechen Sie genau diese Menschen an und machen Sie die gesparte Pendelzeit zum Argument.

Schnell entscheiden

Bitkom zufolge räumen 7 Prozent der Unternehmen ein, Personalentscheidungen zu langsam zu treffen. Ein IT-Kandidat, der in Gesprächen mit mehreren Firmen steht, wartet nicht drei Wochen auf einen zweiten Termin. Planen Sie Gespräch und Entscheidung vorab.

Aktiv ansprechen statt warten

Die guten Spezialisten sind meist beschäftigt und lesen keine Stellenbörsen. Wenn ein Viertel der Unternehmen auf IT-Stellen praktisch keine Bewerbungen erhält, ist die Anzeige allein offensichtlich nicht der Weg. Direktansprache über Netzwerk, Plattformen oder einen spezialisierten Partner erreicht die Menschen, die nicht suchen. Mehr zu den Kanälen allgemein finden Sie in unserem Artikel Mitarbeiter finden: 9 Wege für kleine und mittlere Unternehmen.

Checkliste: So gehen Sie Ihre nächste IT-Stelle an

  • Rolle schärfen: Welche zwei bis drei Aufgaben machen 80 Prozent der Arbeit aus?
  • Muss und Kann trennen: Jede unnötige Muss-Anforderung verkleinert den Markt.
  • Gehalt prüfen: Liegt Ihr Angebot im Rahmen des Entgeltatlas für Beruf und Region?
  • Flexibilität festlegen: Homeoffice-Tage, Arbeitszeit, Rufbereitschaft – schriftlich und konkret.
  • Technik offenlegen: Welche Systeme, welche Sprachen, welches Budget für Weiterbildung?
  • Ansprechpartner benennen: Mit wem arbeitet die neue Person täglich zusammen?
  • Prozess planen: Höchstens zwei Gesprächsrunden, Entscheidung innerhalb weniger Tage.
  • Kanäle kombinieren: Anzeige, Empfehlungen, Ausbildung und aktive Ansprache parallel.

Ein Hinweis zur Anzeige: Viele IT-Stellen scheitern schon am Text. Was dort typischerweise schiefgeht, steht im Artikel Keine Bewerber auf Ihre Stellenanzeige?.

Wann sich ein Personalvermittler lohnt

Ein Personalvermittler lohnt sich vor allem bei Spezialistenrollen, bei IT-Leitung und immer dann, wenn eine Stelle schon Monate offen ist. Bei unserer Personalvermittlung für IT-Fachkräfte sprechen wir Kandidaten direkt an, die nicht aktiv suchen, und stellen Ihnen nur Profile vor, die zur Rolle und zu Ihrem Betrieb passen.

Unsere Konditionen: rein erfolgsbasiert, das Honorar wird erst nach dem Arbeitsantritt fällig, die Höhe besprechen wir im Erstgespräch. Endet das Arbeitsverhältnis in den ersten 3 Monaten, besetzen wir die Stelle kostenfrei nach. Was Sie eine unbesetzte IT-Stelle pro Monat kostet, rechnet der Vakanzkosten-Rechner für Ihren Fall aus.

Häufige Fragen

Gibt es noch einen IT-Fachkräftemangel?

Er hat sich abgeschwächt. Die Bundesagentur für Arbeit sah 2025 keinen Engpass mehr in der Softwareentwicklung, bei einigen Spezialistenberufen aber weiterhin Besetzungsprobleme. Bitkom zählte 2025 rund 109.000 fehlende IT-Fachkräfte.

Wie lange dauert es, eine IT-Stelle zu besetzen?

Laut Bitkom-Studie 2025 im Schnitt 7,7 Monate. Mit klarer Rolle, marktgerechtem Gehalt und schnellem Prozess lässt sich das deutlich verkürzen.

Was verdienen IT-Fachkräfte?

Vollzeitbeschäftigte IT-Kräfte verdienten 2025 laut Bundesagentur für Arbeit im Mittel 6.114 Euro brutto im Monat, auf Hochschulniveau 6.501 Euro. Je nach Rolle und Region weicht das stark ab.

Lohnt es sich, Quereinsteiger für IT-Stellen einzustellen?

Oft ja, vor allem im Support und in der Administration. Laut Bitkom gingen 27 Prozent der IT-Jobs der letzten zwölf Monate an Quereinsteiger.

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